EIN PROPHETFrankreich, Italien 2009 / Dauer: 155 Min / FSK 16
Regie: Jacques Audiard Buch: Jacques Audiard, Thomas Bidegain Musik: Michel Barthélémy Darsteller: Tahar Rahim, Niels Arestrup, Adel Bencherif, Reda Katep, Hichem Yacoubi u.a. Dem französischen Regisseur Jacques Audiard gelingt mit „EIN PROPHET“das Sprengen jedweder Gefängnisfilmkonvention, indem er sich ganz auf die "Ich-Werdung" seiner Hauptfigur konzentriert. Für sein Ausnahmeepos erhielt er den Großen Preis der Jury in Cannes und eine Oscar-Nominierung für den besten ausländischen Film.
Simpel mutet die Geschichte an, die zunächst dem Regelwerk eines konventionellen Knastfilms folgt und von Malik El Djebena erzählt, ein minderjähriger arabisch-französischer Achtzehnjähriger, der wegen einer nicht weiter benannten Dummheit zu sechs Jahren Knast verurteilt und von der korsischen Mafia für Dienste eingespannt wird. Alsbald verlässt der Film die ausgetretenen Pfade und entwickelt sich zu einem überaus komplexen Krimiepos: Wie der Junge sich zwischen den vereinzelten Gangsterfraktionen behauptet und selbst einen gut funktionierenden Drogenring aufbaut, erzählt Audiard mit einem Höchstmaß an Konzentration und absolutem Vertrauen in das eigene Können. Kommt einem ein Versatzstück auch noch so bekannt vor, Audiard findet immer eine spektakuläre Art, es neu und aufregend wirken zu lassen. Nach dem ersten Mord im Auftrag des korsischen Dons César Luciani an einem arabischen Mitinsassen – mit einer Hochspannung und Brutalität inszeniert, dass Michael Mann vor Neid erblassen würde – wird er wiederholt von dessen Geist besucht: Beginn einer Entdeckungsreise zu den eigenen Wurzeln, die zu dem gefährlichen Doppelspiel Maliks führt. Wiederholte Explosionen von Gewalt im Gefängnis oder später auf Freigängen bei einem verkorksten Überfall oder einer fatalen Autofahrt lassen keinen Zweifel aufkommen, dass Malik stets in Lebensgefahr ist. Doch bei aller Härte verliert der Film nie aus den Augen, dass er von einer verlorenen Unschuld erzählt, was zu einem bewegenden Schlussbild zu den Klängen von „Mack the Knife“ in einer Version von Jimmie Dale Gilmore führt, das Audiards Themen mit resigniertem Galgenhumor zusammenfasst: All das Taktieren und Morden waren für die Titelfigur nur Mittel zum Zweck, sich die eigene Jugend zu bewahren. Beeindruckend die darstellerische Leistung des charismatischen Newcomers Tahar Rahim, zärtlich und brutal zugleich, ein abgebrühter Killer, der nur Überleben kann, weil er bereit zu lernen ist, und doch ein ganz normaler Junge, der seine kindliche Freude über seine erste Reise in einem Flugzeug nicht verhehlen kann. Beim Kritiker-Poll des Filmmagazins Sight & Sound wurde „Ein Prophet“ zum Film des Jahres 2009 gewählt. Die Damen und Herren wissen, wovon sie sprechen. Quelle. kino.de
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